Sand und Schnee

Sand und Schnee……das wirkt ja auf den ersten Blick nicht gerade so, als ob es da viele Gemeinsamkeiten gäbe….Aber irgendwie doch….
Und genau von diesen Gemeinsamkeiten schreibt auch Mohammed Dib, ein algerischer Autor, in seinem wunderbaren Buch der Geschichten: Die maurische Infantin.
Die Protagonistin in dem Roman ist ein kleines Mädchen, polnisch-algerischer Herkunft, die in Finnland aufwächst und erst später ihren Vater kennenlernt. UND sie liebt es zu tanzen........

Ich sage: Papas Land, falls ihr da mal hinkommt, ist eine Wüste. Überall Sand, nichts als Sand. Kein Mensch kann sich je so viel Sand vorstellen. Geschweige denn die Sandkörner zählen, es wäre kein Ende abzusehen. Da zählt man schon besser die Sterne am Himmelszelt....
In einer Wüste ist man überall in der Mitte, sagt Papa. Ich stehe also genau in der Mitte, dieser Mitte, die überall ist. Und man kann reisen, ohne sich von der Stelle zu rühren, man ist immer schon da, wo man gerne wäre. Und überall in der Mitte.
Und genauso wie im Land mit mehr Schnee als sonst etwas. Und wo es überall nur nach Kälte riecht. Aber wo man, genau wie dort unten, überall in der Mitte steht.
Und der Sand ist der Schnee. Ich kenne jetzt also den Schnee und den Sand. Und in gewisser Weise sind sie Geschwister.
Im Augenblick bin ich mitten in diesem Schnee aus heißem, brennend heißem Sand.
Mein Großvater fragt mich: 'Was ist Schnee?'
'Was Schnee ist?' Diese Frage! Einfach so: Was ist Schnee? .... Ich weiß nicht, was ich ihm antworten soll.....
'Was er wirklich ist, das lässt sich nicht mit Worten sagen.'
Und er sofort: 'Was der Sand wirklich ist, lässt sich auch nicht mit Worten sagen.' 'Der Schnee erzeugt Stille.' 'Der Sand erzeugt auch Stille.'
.....'Der Schnee ist sehr kalt und kann so warm sein wie ein Federbett.'
'Der Sand ist bei Tag ein warmes, bei Nacht ein kaltes Federbett. Das Reden über eine Sache ist nicht die Sache selbst.'
'Und wenn man Schnee sagt oder Sand, was tut man dann?'
'Man sagt Wörter. Die Wörter sagen, was man will.' 
Mein armer schöner Schnee, ich frage mich, wie ich dich noch beschreiben soll.....“

P.S.: Das Foto ist bei einer Aufführung entstanden, wo ich ein selbst geschriebene Geschichte erzähle.
Gerade während ich diesen Post schrieb, fielen die ersten tanzenden Schneeflocken in diesem Winter....ich als Schneefan hatte mir gerade Schnee zu Weihnachten gewünscht:)